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30.000 € Schmerzensgeld ohne immateriellem Vorbehalt
Fall-Nr.: 104610  aus dem Jahr  2018 Geschlecht: weiblich       Geburtsjahr: 1967
Ausgangspunkt der Verletzung: Arzthaftung Mitverschulden: nein
Hauptverletzungen: Brustkrebs verspätet diagnostiziert

Nebenverletzungen:

Todesfolge: nein
Anwalt: RAin Bals
Gesamtdauer der Krankheit: k.A. Dauerschaden: nein
Krankenhausaufenthalt: k.A. Minderung der Erwerbsfähigkeit keine
Arbeitsunfähigkeit: k.A. Geldrente monatlich in Euro: nein
Vergleich (außergerichtlich)
Versicherung: Generali Versicherungsbewertung: 4
Niederlassung der Versicherung: Hamburg Dauer der Vergleichsverhandlung: 14 Monate
Abrechnungsbasis Geschäftsgebühr (Nr.: 2300VV-RVG) 1,5
Fallbeschreibung: Bei der Patientin wurde im Dezember 2015 ein Mammakarzinom rechts mit einer Größe von über 5 cm erstdiagnostiziert. Dem behandelnden Gynäkologen, der die Patientin seit Mai 2005 in regelmäßigen Abständen auch zur Vorsorge von Brustkrebs behandelte, wurden Diagnosefehler vorgeworfen. Im Schlichtungsverfahren kam der Gutachter zu dem Ergebnis, dass spätestens am 14.04.2015 eine Röntgenuntersuchung der Brüste klar indiziert gewesen sei (BIRADS III). Das Unterlassen einer weiteren Diagnostik im April 2015 verstoße gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln und erscheine aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich. Die Untersuchung der Mammae (Brustdrüsen) der Patientin war aufgrund hoher Gewebsdichte erschwert, sowohl palpatorisch als auch mammographisch und sonographisch (ACR III - IV am 22.07.2005). Die Tatsache, dass das Mammakarzinom rechts Ende 2015 bereits 5 cm groß war, spricht dafür, dass man den Tumor bereits einige Jahre zuvor hätte diagnostizieren können. Aus tumorbiologischer Sicht handelte es sich bei der Diagnosestellung im Jahr 2015 um eine eindeutige „Spätdiagnostik“. Der bei der Patientin eingetretene Gesundheitsschaden liegt nicht nur in einer Verschlechterung der Prognose. Die verzögerte Diagnosestellung hat auch zu einer Zunahme des Tumorvolumens (Tumorgröße) und der zirkulierenden Tumorzellmasse (Metastasierung) geführt. Ob im Falle einer früheren Diagnosestellung die Durchführung einer Chemo- und Strahlentherapie erspart geblieben und/oder ob ein eingeschränktes Operationsverfahren möglich gewesen wäre, war aus der Sicht ex post nicht mehr abschließend zu klären.
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